Kurz gesagt — Eine Förderstiftung ist ein Vermögen, das fremde Projekte finanziert, nicht eigene. In der Schweiz gibt es 13’782 gemeinnützige Stiftungen (Stand Ende 2025), eine der höchsten Dichten weltweit. Die Regeln: nur Stiftungen anschreiben, deren Zweck zum Projekt passt, ein klares Dossier mit stimmigem Budget vorlegen, und 12 bis 18 Monate im Voraus planen — denn die Gremien tagen nur wenige Male im Jahr.
Wenn Sie einen Verein oder eine operative Stiftung in der Schweiz führen, sagt Ihnen früher oder später jemand: «Fragen Sie doch eine Stiftung an.» Der Rat ist richtig, aber er kommt fast immer ohne Gebrauchsanweisung. Dieser Leitfaden zeigt, wie Schweizer Förderstiftungen tatsächlich arbeiten und was es braucht, um einen Beitrag zu beantragen — und zu erhalten. Wenn Sie zuerst das Gesamtbild sehen wollen, wie die einzelnen Kanäle zusammenspielen, beginnen Sie beim Leitfaden zum Fundraising für Vereine in der Schweiz.
Was eine Förderstiftung ist
Eine Förderstiftung ist ein Vermögen, das einem gemeinnützigen Zweck gewidmet ist: Sie führt keine eigenen Projekte durch, sondern finanziert jene anderer Organisationen. Das ist der entscheidende Unterschied zu operativen Stiftungen, die eigene Aktivitäten und Strukturen betreiben. Wenn eine kulturelle oder soziale Organisation institutionelle Mittel sucht, sind Förderstiftungen einer der drei Hauptkanäle — neben der öffentlichen Hand (Bund, Kantone, Gemeinden) und den Förderprogrammen von Stiftungen und Verbänden. Bei der öffentlichen Hand sind in vielen Kantonen die aus Swisslos-Erträgen gespiesenen Lotteriefonds einer der grössten Töpfe für Kultur und Soziales.
Die Schweiz hat eine der höchsten Stiftungsdichten der Welt: Ende 2025 zählte der Schweizer Stiftungsreport 2026 13’782 aktive gemeinnützige Stiftungen. Verteilt sind sie sehr ungleich. Zürich zählt mit 2’218 die meisten Stiftungen; gemessen an der Bevölkerung liegen Basel-Stadt mit 42,9 Stiftungen auf 10’000 Einwohnerinnen und Einwohner, Zug mit 34,2 und Glarus mit 27,5 vorn. Für Gesuchstellende ist das eine gute Nachricht mit einem Haken: Das Angebot ist breit, aber gerade deshalb erhalten die Stiftungen weit mehr Gesuche, als sie bewilligen können.
Wie eine Stiftung denkt
Jede Stiftung hat einen Zweck: Die Stiftungsurkunde legt fest, was sie fördern kann (Kultur, Soziales, Bildung, Forschung …), wo (eine Gemeinde, ein Kanton, die ganze Schweiz) und manchmal auch wie (nur Projekte, nur Organisationen, Mindest- oder Höchstbeträge). Der Stiftungsrat kann diesen Rahmen nicht verlassen, selbst wenn er wollte. Die erste Regel des institutionellen Fundraisings ist deshalb schlicht und unbarmherzig: Sie schreiben nur Stiftungen an, deren Zweck zum Projekt passt. Ein Gesuch ausserhalb des Zwecks ist kein «Versuch», es ist verlorene Zeit für beide Seiten.
Die zweite Regel: Stiftungen finanzieren in der Regel Projekte, nicht Organisationen in Schwierigkeiten. Eine Finanzierungslücke ist kein Projekt. Ein Vorhaben mit Zielen, Zielgruppen, erwarteter Wirkung und einem stimmigen Budget schon.
Wo Sie die passenden Stiftungen finden
Die Werkzeuge dafür gibt es, und sie sind zugänglich: Verzeichnisse und Datenbanken wie Fundraiso und Spheriq (bis 2025 StiftungSchweiz) lassen sich nach Themenfeld und Region filtern. SwissFoundations ist der Verband der Schweizer Förderstiftungen, proFonds der Dachverband der gemeinnützigen Stiftungen der Schweiz, offen auch für Vereine und andere NPO; beide geben einen Überblick über den Sektor. Die Liste ist allerdings erst der Anfang der Arbeit. Die eigentliche Auswahl entsteht beim Lesen: Stiftungszweck, bereits unterstützte Projekte und, wo veröffentlicht, die Jahresberichte. Dort sehen Sie, ob eine Stiftung wirklich zu Ihrem Projekt passt, welche Beträge sie spricht und nach welcher Logik.
Vom Projekt zum Dossier
Ein Gesuch an eine Schweizer Stiftung läuft fast immer über ein schriftliches Dossier. Die Form ändert sich — manche Stiftungen haben Online-Formulare, andere wollen einen Brief mit Beilagen —, die Substanz nicht. Ein vollständiges Dossier enthält den Projektbeschrieb, die Ziele und die erwartete Wirkung, die Zielgruppen, den Zeitplan, eine Vorstellung der Trägerschaft, das Gesamtbudget, den Finanzierungsplan (wer sonst noch finanziert) und den Betrag, der bei genau dieser Stiftung beantragt wird.
Die Schwachstelle vieler Dossiers ist das Budget: Zahlen, die nicht zu dem passen, was das Projekt verspricht, Kosten, die kleingerechnet wurden, um «leichter» zu wirken, kein Hinweis darauf, wie über die Ausgaben Bericht erstattet wird. Wer Gesuche prüft, liest das ganze Jahr Budgets: Die Stimmigkeit zwischen Erzählung und Zahlen ist genau das, was ein Gesuch als professionell ausweist. In den Dossiers, die ich an Geldgeber wie Migros-Kulturprozent, Pro Helvetia, die Drosos Stiftung und die Ernst Göhner Stiftung gerichtet habe, ist das Budget der Teil, den ich zuerst angehe und nicht zum Schluss.
Fristen: länger, als man denkt
Die Gremien tagen nur wenige Male im Jahr, oft zwei- bis viermal. Zwischen Eingabe und Entscheid können drei bis acht Monate vergehen. Übersetzt heisst das: Institutionelles Fundraising wird 12 bis 18 Monate vor dem Projekt geplant. Wer im Juni für ein Festival im September schreibt, ist fast immer zu spät.
Davon zu trennen ist die Liquidität. Der Beitrag wird in der Regel erst nach Abschluss und Berichterstattung ausbezahlt — eine Stiftung zahlt kaum je im Voraus, denn wenn das Projekt nicht stattfindet, müsste sie das Geld zurückfordern. Eine erste Tranche ist oft möglich, muss aber meistens ausdrücklich beantragt werden und deckt in der Regel nicht den ganzen Betrag; die Praxis unterscheidet sich stark von Stiftung zu Stiftung. Die Organisation muss die Kosten also vorfinanzieren können.
Nach dem Entscheid: die Beziehung zählt mehr als der Beitrag
Lautet die Antwort Ja, ist die Arbeit nicht vorbei: Eine pünktliche, saubere Berichterstattung — Schlussbericht und Schlussabrechnung, stimmig zum Budget — macht aus einem einmaligen Beitrag eine Beziehung, die Jahre hält. Einen Geldgeber zu behalten, der Sie schon unterstützt hat, ist mehr wert, als einen neuen zu finden. Lautet die Antwort Nein, ist das nicht zwingend ein Urteil über das Projekt: Oft sind es einfach ausgeschöpfte Mittel oder andere Prioritäten. Ein sauber gebautes Gesuch hinterlässt trotzdem einen guten Eindruck für das nächste Mal.
Wo anfangen
Wenn Ihre Organisation noch nie strukturiert institutionelles Fundraising betrieben hat, ist der realistische Weg: das Projekt klären, das Budget bauen, zehn bis fünfzehn wirklich passende Geldgeber bestimmen, zugeschnittene Dossiers schreiben und die Fristen planen. So arbeite ich für kulturelle und soziale Organisationen in der Schweiz — eine Methode, die in der Praxis entstanden ist.
Häufige Fragen
Was ist eine Förderstiftung?
Eine Förderstiftung gibt Geld für die Projekte anderer Organisationen, statt eigene Aktivitäten zu betreiben. In der Schweiz gibt es Tausende davon, jede mit einem bestimmten Stiftungszweck: Gefördert wird nur, was zu diesem Zweck passt.
Wie finde ich die passenden Stiftungen für mein Projekt?
Gehen Sie vom Stiftungszweck und den bereits geförderten Projekten aus, nicht von allgemeinen Listen. Datenbanken wie Fundraiso und Spheriq (bis 2025 StiftungSchweiz) helfen beim Suchen, aber die eigentliche Auswahl ist die Passung zwischen Ihrem Projekt und dem Auftrag des Geldgebers.
Wie früh muss ich ein Gesuch einreichen?
In der Regel zwölf bis achtzehn Monate vor der Umsetzung, weil die Gremien nur wenige Male im Jahr tagen. Davon unabhängig ist die Auszahlung: Der Beitrag kommt normalerweise erst nach der Schlussberichterstattung; eine erste Tranche ist oft möglich, muss aber ausdrücklich beantragt werden.
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